Mietwohnen in Zeiten des Finanzmarktkapitalismus

Der Wohnungskonzern GSW steht zur versprochenen Dividende (nicht zu Mieterrechten, die auf alte Zusagen zurückgehen). Der Finanzchef: „Dividende von 90 Cent je Aktie gut machbar.“ Der Konzern profitiert im Schlussquartal von Mietpreiserhöhungen. Die Mieter der Berliner Wohnungsgesellschaft GSW müssen zum Jahresende mehr blechen, die Aktionäre können dagegen auf die versprochene Dividende setzen: Angesichts eines starken Schlussquartals fühle er sich mit den angekündigten 90 Cent Dividende je Aktie für 2011 mehr als wohl, sagte Finanzchef Andreas Segal der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. „Ab Oktober wirken die Mietpreiserhöhungen, die wir in Berlin nach dem Mietspiegel durchsetzen konnten.“ Die Dividendenprognose, mit der die GSW die Investoren beim Börsengang im Frühjahr gelockt hatte, sei sogar dann machbar, wenn der Konzern nicht das obere Ende seiner Gewinnankündigung erreiche. „Die 90 Cent entsprechen eher dem Mittel der Guidance.“

Die GSW peilt in diesem Jahr ein operatives Ergebnis (FFO) aus dem laufenden Geschäft von 54 bis 59 Millionen Euro an. Diese Kennzahl ist in der Branche maßgeblich für die Dividende. In den ersten neun Monaten verdiente die GSW 40 Millionen – etwa ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum, wegen höherer Zinsen im Zuge der Refinanzierung verbriefter Kredite kam dies aber nicht überraschend. Nun geht es in den Schlussspurt. „Das vierte Quartal wird deutlich über dem dritten liegen“, betonte Segal. Bestandsabwertungen seien zum Jahresende nicht zu erwarten. „Die Marktpreise haben eher angezogen.“

Die GSW ist mit rund 53.000 Wohnungen in Berlin einer der größten Spieler und konkurriert dort vor allem mit Gagfah und Deutsche Wohnen. Im Frühjahr hatte es das Unternehmen im zweiten Anlauf an die Börse geschafft. Die damals zu 19 Euro ausgegebene GSW-Aktie ist inzwischen im Nebenwerteindex MDax notiert. Mit einem Kurs von 23,10 Euro hält sich das Papier zwar stabil, bleibt aber unter dem Nettovermögenswert (NAV), der aktuell auf 28,20 Euro je Aktie taxiert wird. Die ehemaligen GSW-Eigner Cerberus und Whitehall hatten im Oktober weitere Anteile abgestoßen und ihre Beteiligung auf 20 Prozent halbiert.

Zuletzt kaufte die GSW 4800 Berliner Wohnungen von der Gagfah für rund 330 Millionen Euro. Das soll ab 2012 einen zusätzlichen Ergebnisbeitrag von 6,5 bis 7,5 Millionen Euro bringen. Die Mittel aus dem Börsengang seien mit dieser Akquisition erst einmal aufgebraucht, sagte Segal. Die GSW müsste neue Gelder bei Investoren einsammeln, was aktuell aber kein Thema sei. „Weitere konkrete Projekte sind derzeit nicht in der Pipeline, daher planen wir – Stand heute – auch keine Kapitalerhöhung.“

 

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